Der Moment oder das Moment? Der Überraschungsmoment oder das Überraschungsmoment?

Sind Sie auch schon einmal über den Begriff „ein Überraschungsmoment“ oder „das Überraschungsmoment“ gestolpert und haben gedacht, dass sich dabei jemand verschrieben haben muss? Oder kreidet es Ihnen die automatische Rechtschreibprüfung an, wenn sie „der Überraschungsmoment“ schreiben wollen? Damit sind Sie nicht allein, viele Schreibende stolpern darüber oder bemerken den Fehler erst gar nicht.

Zwei verschiedene Momente

Das ist kein Wunder, denn das Wort „Moment“ gibt es zweimal: das Moment und der Moment sind beides korrekte Wörter. Während „der Moment“ jedoch das bekanntere Wort ist, wird „das Moment“ eher als gehobenes Deutsch verwendet – und entsprechend seltener benutzt. Daher schreiben selbst Autoren manchmal „der Moment“, obwohl sie eigentlich gerade „das Moment“ meinen. Manchen rutscht sogar „der Überraschungsmoment“ durch, denn gemeinerweise wirkt diese Schreibweise zunächst vertraut und logisch.

Der kleine Unterschied

Es kommt aber letztlich auf die Bedeutung an, und die unterscheidet sich in einem kleinen, aber wichtigen Detail: Während der Moment einen Zeitpunkt meint, steht das Moment für ein Ereignis (ein besonders wichtiges, entscheidendes). Dieses Ereignis kann zwar auch zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfinden (daher die Verwirrung), aber es kommt in diesem Fall eben nicht so sehr auf den Zeitpunkt, sondern auf das Ereignis selbst an.

der Moment: ein bestimmter Zeitpunkt
das Moment: ein bestimmtes Ereignis
Überraschung!

Das Überraschungsmoment ist nun allerdings nicht nur eine beliebige Zusammensetzung, sondern ein eigenständiges Wort, ein fester Begriff. Und der meint eben nicht den Moment, zu dem genau etwas Bestimmtes passiert (den Überraschungszeitpunkt), sondern wirklich das Moment (das bestimmte Überraschungsereignis), also das Bestimmte, das überraschend ist. Korrekt ist daher:

Das Überraschungsmoment

„Den Überraschungsmoment“ gibt es also eigentlich nicht, obwohl man den Begriff theoretisch auch mit dieser Bedeutung bilden könnte. Wer wirklich den Zeitpunkt meint, sollte jedoch – um Missverständnisse zu vermeiden – nicht das Wort Überraschungsmoment zweckentfremden, sondern in diesem Fall lieber eine andere Formulierung wählen und von einem Überraschungstermin, Überraschungszeitpunkt o. ä. sprechen.

Für ganz Spitzfindige

Der Zeitpunkt, zu dem ein Überraschungsmoment stattfindet, ist im Grunde also ganz egal. Wird er aber doch wichtig, kann man die beiden Momente lustigerweise auch kombinieren – und dann ist der neugebildete Gesamtbegriff auf einmal wieder maskulin:

Der Überraschungsmomentmoment

In freier Wildbahn dürfte diese Wortschöpfung jedoch nicht gerade dazu beitragen, dass die Verwirrung abnimmt.

02.02.2019