Studierende bekommen die meisten noch hin, wenn sie Frauen in der Sprache bewusst miteinbeziehen wollen, doch dann hört’s auch schon auf. Ein besonders auffälliges Beispiel, eine Radioreportage über Schauspielstudenten, die kürzlich im RBB-Hörfunk lief, zeigt, dass geschlechtergerechte Sprache in der Praxis gar nicht so einfach umzusetzen ist und manchmal bei Rezipientinnen und Rezipienten ein großes Fragezeichen hinterlässt. Die Rechtschreibfehler des Manuskripts sind zusätzlich kenntlich gemacht.

Shakespeare und Schauspielstudenten
Jedes Kind kennt die Namen „Romeo und Julia“, der Brite ist Schulstoff im Deutschunterricht – für viele Schüler eventuell mehr Qual als Wahl.

Studenten und Schüler. Was ist mit Schülerinnen und Studentinnen?

(…) Veit Schubert, selbst Schauspieler und Dozent hier[,] arbeitet mit Leonard und Felix aus dem 2. Studienjahr. Veit Schubert verehrt Shakespeare, mit den Studierenden arbeitet er heute an einer Szene aus dem unbekannteren Stück „Zwei Herren aus Verona“.

Studierenden. Studenten wurde vermieden, obwohl es offensichtlich um zwei männliche Studierende geht.

(…) Und Shakespeare bietet nicht nur alle Grundkonflikte als Spielfutter für Schauspielschüler, sondern in jedem Satz gibt es auch immer gleich die ganze Palette Emotionen (…)

Schauspielschüler. Nun nur noch generisches Maskulinum, das die Schülerinnen mitmeint.

Und das ist zutiefst menschlich und trifft die Schauspielstudierenden in ihrer Lebenswelt (…)

Jetzt sind es auf einmal Schauspielstudierende, weibliche Schauspielschüler gleichberechtigt miteinbezogen.

Ein Geschenk für die Nachwuchsschauspieler.

Und wieder zurück zum Generikum. Nachwuchsschauspielende klänge wohl zu ungewohnt.

Für Leonard und Felix, die beiden Studierenden[,] ist es die zweite Arbeit mit Shakespeare.

Geschlechtsneutral Studierende – oder gerade studierende Studenten?

Ein bisschen wirken sie eingeschüchert [sic] von der Verehrung der Dozenten, aber gut finden sie den 450 Jahre alten Meister schon auch, der Klamauk und Psychologie zusammenbringt wie kein anderer.

Und schon wieder back to generisches Maskulinum: Dozenten statt Dozierende.

„Für mich ist das Ausschlag gebendste [sic],[sic] die Freude an der Verwandlung, die Verrücktheit und die große Chance, etwas über Sprache zu lernen, (…)

Aus diesem Beitrag könnte man lernen, dass geschlechtsneutrale Sprache vom Schreibenden eine Menge Konzentration verlangt. Statt neutrale Formen durchgängig zu verwenden, werden sie unnötigerweise (Studierende, wenn es um Studenten geht) oder einfach aus stilistischen Gründen alternierend verwendet (Studenten – Studierenden – Schüler – Studierende – Schauspieler), um Abwechslung in den Text zu bringen. Der Informationsgehalt geht dabei verloren, wird erst gar nicht transportiert oder verwirrend übermittelt, denn es lässt sich nicht mehr mit Sicherheit erkennen, wann tatsächlich die Tätigkeit des Studierens gemeint sein könnte. Bei der ganzen Geschichte zeigt sich zudem ein interessanter Nebeneffekt: Eine explizit weibliche Form wurde kein einziges Mal verwendet.