Schreib-Quiz

Frage zu einer Schreibweise? Wie wird's wann geschrieben? Einfach hier nachfragen!

Grundkurs Seefahrtsvokabular für Journalisten

Verben werden grundsätzlich kleingeschrieben. Meist klappt das auch noch ganz gut im journalistischen Alltag. Doch sobald unvorhergesehene Ereignisse auftauchen, über die berichtet werden muss – wie etwa aktuell die titanicartige (nicht: Titanic artige) Havarie eines italienischen Kreuzfahrtschiffes – und die den Berichterstatter mit weniger gebräuchlichen Begriffen konfrontieren, dann geht bei manchen Journalisten auf einmal die Rechtschreibung unter:


Havarierte Grammatik bei Spiegel Online …


… und auch bei Welt Online hat sie Schiffbruch erlitten

Nur, weil es das Wort Leck auch als Substantiv gibt, bedeutet das nicht, dass man nun alle anderen Wortarten auch großschreiben muss; leckschlagen ist ein eigenständiges Verb. Mögliche Schreibweisen sind: leck(ge)schlagen, leck (ge)schlagen oder schlägt leck.


Auch bei der NZZ liest man Fehler-Haft

Das ging flott: Gestern erst die Anfrage einer für die Neue Zürcher Zeitung arbeitenden Journalistin, ob man denn aus dem Buchstabensalat-Artikel zitieren dürfe. Klar, darf man. Heute dann schon in der Zeitung: eine Adaption und Zusammenfassung der Thematik im Printstil. Zitiert wurde dann allerdings doch nicht, dafür die Idee der Gegenüberstellung mit einem zerwürfelten Fachtext übernommen:

http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/buchstabensalat_1.14126491.html


Fröhliche Weihnachten, Feliz Navidad, შობა, Schönes Julfest, Feliz Natal, С Рождеством, Mutlu Noeller und Merry Christmas!

Allen Kunden und Besuchern schöne Feiertage und einen guten Rutsch! Dankeschön für das erfolgreiche Jahr und viel Gesundheit, Glück, Kreativität und Erfolg für 2012!

Weihnachtsbaum mit Buchstabenkugeln behängt, Graphik (c) Melanie Lerch

Und wie in jedem Jahr zur Erinnerung: Silvester schreibt man Silvester und bei Weihnachten hat man die freie Auswahl. Achten Sie ebenfalls auf den beliebten Vertipper: nicht Weihnachtsgrippe, sondern Weihnachtskrippe!


Lieber nur zuhören

Aus unserer Reihe „Warum Radiomacher Radio machen“:

Standartwerk

Weil man die Rechtschreibfehler nicht hört.

(Sendungsbeschreibung zur WDR-Zeitzeichen-Folge „Der Geburtstag des Burgenforschers Otto Piper“)


Deutsch nicht ins Grundgesetz?

Am 7.11.2011 wurde sowohl die Petition „Deutsch als Landessprache ins Grundgesetz“ als auch die (Gegen-)Petition „Keine Aufnahme der deutschen Sprache ins Grundgesetz“ vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages erörtert.

Die Mitglieder des Petitionsausschusses hinterfragten vor allem Sinn und Zweck der Befürwortung sehr kritisch und machten keinen Hehl daraus, dass sie das Grundgesetz für den falschen Ort halten, um der Deutschen Sprache zu mehr Einfluss im Alltag zu verhelfen.

„Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“, diesen Satz möchte die Petition unter Federführung des VDS/Walter Krämer im Grundgesetz sehen. Explizit keine Aufnahme einer solchen Aussage wünscht die Gegenpetition, initiiert von Anatol Stefanowitsch.

Argumentativ überzeugen konnten jedoch beide Petenten nicht. Krämer gelang es nicht, plausibel zu machen, weshalb „Deutsch im Grundgesetz“ zu Verbesserungen führen würde, Stefanowitsch argumentierte sachkundig, brachte aber keine stichhaltigen Gründe vor, weshalb eine zum Verfassungsrang erhobene deutsche Sprache schaden würde. Argumente wie (sinngemäß) „Ich muss deutsche Fördergelderanträge auf Englisch formulieren“ oder „Deutsch im Grundgesetz wäre ein falsches Signal an unsere ausländischen Freunde“ wirkten jeweils auf ihre Art gleichermaßen peinlich.

Da „für Deutsch“ im Grunde meint „gegen Englisch“, könnte man genauso gut auch den Satz im GG fordern: „Die Sprache der Bundesrepublik ist nicht Englisch“. Damit würden die Minderheitensprachen in Deutschland nicht tangiert – und die an Deutschland interessierten ausländischen Arbeitskräfte und Studenten würden weiterhin achselzuckend lächeln.

Womit Krämer allerdings Recht hat: Das Deutsche ist vor allem in der Wissenschaft auf dem Rückzug. Wenn deutsche Studenten und Professoren gezwungen sind, sich weniger eloquent in Englisch auszudrücken, dann ist das bedauerlich, schadet der Wissenschaft und bildet sogar einen Standortnachteil. Doch dies sind gewollte Entscheidungen der (Bildungs-)Politik, keine verfassungsrechtlichen Fragen. Das Grundgesetz bleibt die falsche Baustelle.

Im Ergebnis dürfte sich am Status quo auf absehbare Zeit daher nichts ändern, Deutsch wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht als postulierte Staatssprache ins Grundgesetz schaffen, zumal ein parlamentarischer Vorstoß bereits keinen Erfolg hatte und die Bundesregierung keine Veranlassung für eine Festschreibung sieht, da die deutsche Sprache als deutsche Staatssprache überhaupt nicht in Frage steht.

Dies alles spiegelt die Zerrissenheit auch in der allgemeinen Debatte durchaus treffend wider: in beiden Petitionen steckt viel Kontroverses, eine eindeutige Positionierung – ja oder nein – fällt schwer. Es spricht nicht wirklich etwas für Deutsch im Grundgesetz, aber auch nichts dagegen. Eine abschließende Entscheidung und somit womöglich Änderung der Verfassung erscheint dadurch sehr schwierig.

Vorgetragen wurde übrigens auf Deutsch.

P.S. Sieht man sich die Seite des Bundestags zu diesem Sachverhalt an, steht dort:

„beschäftigten sich die Abgeordneten mit zwei öffentliche Petitionen“

Und Bild Online, die die Petition unterstützte, schreibt:

ob der Antrag (…) zur Beratung (…) in dem Bundestag eingebracht wird

Vielleicht wäre der Satz „Die Sprache der Bundesrepublik ist korrektes Deutsch“ mal ’ne Maßnahme.


Autsch‘

Viele setzen ein Hochkomma (Apostroph) dort, wo es gar nicht hingehört, bevorzugt bei Genitiv-S-Endungen: Des Pudel’s Kern. Oder sie setzen es nicht, wo es hingehören würde, wenn nämlich ein Genitiv-S aus Aussprachegründen entfällt: Andreas’ Freundin. Doch am häufigsten kommt der Apostroph dann zum Einsatz, wenn Wortbestandteile ausgelassen werden, nämlich als Auslassungszeichen: Es könnt’ doch so einfach sein.

Welt Online bringt nun eine neue Variante ins Spiel. Auslassungszeichen, wo gar nichts ausgelassen wurde:

1945 gab es solch' ein strenges Budget


Noch ein Grund, beim UKW-Radio zu bleiben?

Nicht erst seitdem die GEZ versuchte, Begriffe wie GEZ-Gebühr aus der Welt schaffen zu lassen, hatten wir den Verdacht, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der doch eigentlich einen Bildungsauftrag hat, mitunter ein merkwürdiges Verhältnis zur deutschen Sprache pflegt.

Auf digitalradio.de, einer von der ARD mitverantworteten Seite zum digitalen Rundfunkangebot, finden interessierte Journalisten einen „Styleguide“, wie man „Digitalradio“ und verwandte Wörter am besten zu schreiben habe.

Richtig wäre demnach z.B.:

DAB+ Empfänger

Eine ausdrücklich falsche Schreibweise wäre nach dieser Liste:

DAB+-Empfänger
Digitalradioprogramme

oder

Digitalempfänger

Alle Schreibenden seien hiermit gewarnt: Verzichten Sie lieber auf diese „Empfehlungen“, wenn Sie keine grammatikalischen Verfehlungen riskieren möchten.

(Dank an „Radiorobbe“ für den Hinweis.)